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Abschied von Marianne Burkhardt

Marianne-Burkhardt

Liebe Marianne, am 30. März gehst du in deinen wohlverdienten Ruhestand. Seit wann bist du eigentlich Mesnerin in unserer St. Ulrichskirche?
Offiziell seit Mai 2006. Vorher haben wir uns die Arbeit 2 Jahre ehrenamtlich in einem Team geteilt. Ich hab´s auch von Anfang an immer gern gemacht, das wissen alle. Aber alles hat seine Zeit. Jetzt tut das Kreuz weh und die Knie tun weh, jetzt ist´s genug.

Wir sehen dich ja meistens nur vor, während und nach dem Gottesdienst, oder wenn du mit Blumen beladen durch Pfuhl radelst. Aber was gehört alles zu deiner Arbeit?
Also am Samstag gehe ich in die Kirche, stecke die Lieder auf, richte den Blumenschmuck, hänge die passenden Paramente auf und schaue, ob alles ordentlich und sauber ist. Am Sonntag bin ich eine Stunde vor Gottesdienstbeginn da, denn oft muss ich noch mal kehren, wenn von den Bäumen noch mal Dreck runtergefallen ist. Es gibt auch Gottesdienstbesucher, die schon so früh kommen und die Zeit der Stille in der Kirche genießen wollen. Manchmal muss ich auch bei den Blumen noch was richten, weil die über Nacht die Köpfe hängen lassen oder ein Eigenleben entwickelt haben. Danach bin ich einfach da. Begrüße Menschen, die in die Kirche kommen, mache z.B. Platz für einen Rollstuhl, teile Liedblätter oder Gesangbücher aus, mache einfach, was so anfällt. Nach dem Gottesdienst mach ich alles wieder sauber. Räume die liegengebliebenen Sachen auf, putze, wenn Abendmahl war, das Abendmahlgeschirr und lösche die Kerzen. Das Kerzenausmachen ist so eine richtige Zeremonie: Zuerst lösche ich die Kerzen, indem ich den Docht mit einer anderen kleinen Kerze in das Wachs tauche. So raucht es nicht und die Kerze lässt sich das nächste Mal leichter anzünden. Dann wird der Rand der Kerze gleichmäßig abgeschnitten und das abgeschnittene Wachs wieder in das noch weiche Kerzenwachs gelegt. Danach wird der Docht nachgeschnitten, damit es beim Brennen nicht rußt.
Wenn dann alles ordentlich und sauber ist, schließe ich die Kirche ab und gehen nach Hause.
Bei Beerdigungen muss ich mich vorher mit dem Gärtner wegen dem Blumenschmuck absprechen und bei Urnenbeisetzungen auch mit dem jeweiligen Bestattungsinstitut, damit ich da bin, wenn Blumen und Urne in die Kirche gebracht werden.

Wahrscheinlich hast du gar nicht alles aufgezählt, erzähl uns doch mal, was dir an deiner Arbeit ganz besonders Freude oder Spaß macht.
Kann ich so gar nicht sagen, eigentlich alles. Ich bin gerne für andere Menschen da. Ich helfe gerne. Manche sagen, ich hätte ein Helfer-Syndrom. Schön ist auch, dass ich mir meine Zeit weitgehendst selber einteilen kann und nicht unter Zeitdruck stehe.
Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn für den Gottesdienst alles fertig gerichtet und schön ist.
Freude macht mir auch, wenn andere Menschen das sehen, anerkennen und wertschätzen.

Gibt es auch Dinge oder Erlebnisse, die nicht so toll waren?
Klar gibt es auch den normalen Frust, der gehört eben dazu. Aber ja, ich hatte mal eine Hochzeit, die hat mich sicher 20 Arbeitsstunden gekostet und am Abend vor der Hochzeit meinte die Braut: „Ein bisschen mehr Engagement darf man von einer Mesnerin schon erwarten.“ So was ärgert mich dann schon.
Oder wenn „meiner Ulrichskirche“ etwas angetan wird. Wenn z.B. der Taufstein als Ablage missbraucht wird oder Apfelsaft an die Wand gekippt wird, oder beim Transport von größeren Gegenständen die Wände angeschlagen werden.

Du verbringst ja ziemlich viel Zeit in der Kirche. Fühlst du dich da Gott näher als an anderen Orten?
Würde ich jetzt nicht sagen. Gott ist ja nicht nur in der Kirche. Ja, ich habe Ehrfurcht und Respekt vor der Apsis. Dort würde ich z.B. nie Diskussionen führen. Oder wenn ich am Samstagabend die Blumen auf den Altar bringe und das Licht durch die hinteren Fenster scheint und das Altarkreuz in diesem Licht funkelt und strahlt, dann ist das ein wunderschöner Augenblick.

Was möchtest du deiner Nachfolgerin/ deinem Nachfolger mitgeben oder wünschen.
Dass sie oder er ganz viel Liebe, Ehrfurcht und Sorgfalt für meine Ulrichskirche mitbringt.

Liebe Marianne Burkhardt, vielen Dank, dass du 15 Jahre lang unsere Ulrichskirche mit ganz viel Liebe, Ehrfurcht und Sorgfalt gehegt und gepflegt hast und unseren Pfarrern, Lektoren, Prädikanten, ja allen, die in Gottesdiensten tätig waren die Arbeit durch dein Mitdenken und deine Hilfe erleichtert hast.
Zu deinem 10-jährigen Dienstjubiläum hat dich Pfr. Pitschak im Gottesdienst mit einem Gedicht überrascht. Dieses Gedicht, sagst du, ist dir ganz arg wertvoll und es beschreibt deine Arbeit ganz genau:

Auf- und zusperren der Kirchentür, sorgen für Blumenschmuck und Kerzenzier,
 Lampen auswechseln und Lichter einschalten,
 Traubensaft und ausreichend Hostien vorhalten … Hängt auch das richtige Parament am Altar?
 Steht das Sonntagsevangelium im Lektionar? Das Taufwasser aufwärmen für unsere Kinder Und Schnee fegen draußen im kalten Winter.
 Für des Pfarrers Stimme steht ein Glas Wasser bereit, der Adventskranz darf nicht fehlen in der Weihnachtszeit.
 Und spätestens ab dem Monat Mai
 Kommen viele Paare zum Heiraten herbei.
 Im Gottesdienst Kinder ermahnen, wenn´s gar zu laut kichern, das Geld aus´m Opferstock – bevor´s gestohlen wird – sichern.
 Die Kollekte zählen, ins Buch eintragen, den Altar herrichten, nicht nur zu Feiertagen.
 Drei Glocken mit Gefühl einschalten, Mikrofone testen, Batterien vorhalten.
 Für Reinlichkeiten sich bücken und knieen, den Kreuzträgern ihr Gewand anziehen, putzen, saugen, vor der Treppe die Blätter z‘amkehren, nach dem Gottesdienst die Konfirmanden abhören.
 Besuchern und Gästen die kostbaren Fresken deuten, g’scheite Antworten geben den neugierigen Leuten.
 Wenig Urlaub, kein freies Wochenend
 Und krank sei hat unsre Mesnerin selten „kennt“.
 10 (15!) Jahre Mesnerdienst – Tag ein und Tag aus – Verdient schon einen großen Applaus.

Liebe Marianne, wir, die gedamte Kirchengemeinde Pfuhl – Burlafingen, danken Dir herzlichst für eure ganz besondere Mitarbeit in unserer Kirchengemeinde und wünschen für eure Zukunft alles erdenklich Gute, Gesundheit und Gottes Segen.

Sigrun Buchner

Der Beitrag verfällt am 26th February , 2021

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