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Jubilate, 3. Mai 2020

Predigtgedanken zu Johannes 5, 5-8

Wochenspruch:
Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.
2. Korinther 5, 17

Die Verbindung machts aus!

Liebe Gemeinde!

„Jubelt Gott zu, alle Völker, die ganze Erde juble“ so beginnt Psalm 66. Von diesem Jubel hat der 3. Sonntag nach Ostern seinen Namen. Und tatsächlich, wenn wir in den letzten Wochen hinausgeschaut haben in Gärten, Felder und Wälder, sahen wir, dass die Natur erwacht ist: alles grünt und blüht von Tag zu Tag mehr. Und das alles im Frühlingssonnenschein – ein Grund sich zu freuen, zu jubeln und Gott zu loben!

Frohgemut die Schönheit der Natur wahrzunehmen: mancher hatte jetzt unfreiwillig Zeit dazu, weil er in Kurzarbeit gehen oder das Geschäft zusperren musste. Dagegen arbeiten andere am Limit: im Supermarkt, bei der Krankenpflege oder auch im Homeoffice.

Wir erleben in diesen Wochen unsere Welt grundlegend anders. Die Natur – ein winzig kleines Stück davon, ein äußerst aktives Virus – bedroht uns Menschen. Wir nehmen viele Einschränkungen hin, weil wir verhindern wollen, dass die Seuche Abertausende von uns hinwegrafft. Doch die Veränderungen beunruhigen uns: Wieder neue Erkenntnisse der Wissenschaft und schon wieder neue Vorschriften für uns!? Wie sollen wir damit umgehen? Wie wird das noch werden? Die Lage ist unsicher und die Zukunft lässt sich nicht planen. Langsam wird uns bewusst, wie zerbrechlich unsere Lebensentwürfe sind, wie verletzlich und kostbar unser Leben ist. Lakonisch gesagt: Leben ist lebensgefährlich – schon immer.

Angesichts dieser Situation kann uns der Predigtabschnitt für den Sonntag Jubilate eine neue Perspektive geben: Die Verbindung machts aus!

Im Johannesevangelium gibt Jesus seinen Jüngern vor seinem Tod Abschiedsworte mit. Die sollen sie in der Zeit danach trösten und stärken. Jesus gebraucht ein Bildwort.

Er spricht: „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer mit mir verbunden bleibt so wie ich mit ihm, bringt reiche Frucht. Denn ohne mich könnt ihr nichts ausrichten.

Wer nicht mit mir verbunden bleibt, wird weggeworfen wie eine abgeschnittene Rebe und vertrocknet. Man sammelt das Abgeschnittene ein und wirft es ins Feuer, wo die Rebe verbrennt.

Wenn ihr mit mir verbunden bleibt und meine Worte im Innersten bewahrt, dann gilt:
Was immer ihr wollt, darum bittet – und eure Bitte wird erfüllt werden.
Die Herrlichkeit meines Vaters wird darin sichtbar,
dass ihr viel Frucht bringt und euch als meine Jünger erweist.“
Johannes 15,5-8  nach der Übersetzung der Basisbibel

Mit dem wunderschönen vertrauten Bild vom Weinstock und den Reben verdeutlich Jesus seine Beziehung zu den Jüngern, eine Beziehung die durch seinen Tod hindurch bestehen bleibt und heute für uns Christen genauso gilt.

Wir stellen uns einen knorrigen Weinstock vor, aus dem Reben wachsen; Trauben reifen daran. Der Weinstock ist in der Erde verwurzelt. Von ihm bekommen die Reben mit dem Pflanzensaft, was sie zum Wachstum brauchen. In einer abgeschnittenen Rebe steigt kein Saft mehr auf. Deshalb verdorrt sie. Für die Reben kommt es also darauf an, fest mit dem Weinstock verbunden zu bleiben. Die Verbindung zum Weinstock ist die Voraussetzung für das Wachsen und Gedeihen der Reben. Ihr Leben hängt völlig vom Weinstock ab, von der festen Verbindung zu ihm.

Wenn in diesen Wochen manche Selbstverständlichkeiten und vermeintliche Sicherheiten dahinschwinden, tut es gut, sich darauf zu besinnen, woher uns Kraft kommt. Uns auf die Beziehung zu Gott zu besinnen. Vielleicht stimmt nicht mehr alles mit dieser Verbindung; sie hat einen Knick und funktioniert nur eingeschränkt. Wenn uns die Beziehung wichtig ist, kommt sie gewiss in Ordnung. Denn wir können auf Gottes Liebe vertrauen. Manchmal ist ein stammelndes Stoßgebet der Anfang. „Hilf mir Jesus, ich habe Angst, ich weiß nicht weiter“. Oder wir beten das Vaterunser. Und wir bleiben dran: singen vielleicht einen Choral, lesen in der Bibel und breiten im Gebet unser Leben und unsere Fragen vor Gott aus. Das regelmäßig zu tun, ist hilfreich. Doch Jesus bewertet nicht, wie gut wir das machen. Wichtig ist allein, an der Verbindung festzuhalten, auch wenn wir eine Zeit lang Gott nicht spüren. Oder, wenn wir nicht wissen, was wir tun sollen. Wir versuchen vertrauensvoll uns nach Jesus auszurichten, lesen in der Bibel, wie er mit den Mitmenschen gelebt hat, was er gesagt und getan hat. Es geht um die Verbindung mit ihm.

Wir bekommen von ihm keine Rezepte, wie wir sicher und erfolgreich die Schwierigkeiten der Krise überwinden. Doch Zuversicht und Mut, uns den Problemen zu stellen, wachsen uns im Umgang mit ihm immer wieder zu.

Und dabei merken wir zuweilen, dass der Satz Jesu „Ohne mich könnt ihr nichts ausrichten“ nicht unsere Kapitulation bedeutet. Auch wenn ich am Ende bin und meine Machtlosigkeit spüre, kann ich mein Anliegen Gott vorlegen. Es dauert manchmal ziemlich lange und die Lösung, die sich findet, ist oft anders als erwünscht. Doch ich erfahre, dass sie gut ist für mich.

„Wer mit mir verbunden bleibt, so wie ich mit ihm, der bringt reiche Frucht“ sagt Jesus. Die Früchte, die wir heute bringen, sind ganz unspektakulär: Wir bleiben besonnen, sind freundlich und guter Dinge, schauen achtsam und umsichtig, wo wir Hilfe anbieten können. Halten Abstand und ermuntern uns und andere mit Humor, die Regeln einzuhalten. Finden Möglichkeiten trotz Abstandsregelungen Kontakte zu pflegen und andere zu erfreuen und beweisen immer wieder Geduld und Ausdauer. Wir sind dankbar für vieles, das wir sonst kaum zu schätzen wussten, für kleine Annehmlichkeiten und Freundlichkeiten, für die vielfältigen Schönheiten der Natur. Wir bringen Bitten und Dank vor Gott und loben und preisen von Herzen: Alle die Schönheit Himmels und der Erden ist gefasst in dir allein. Nichts soll mir werden lieber auf Erden als du liebster Jesus mein. Amen

Predigtlied: EG 432 Gott gab uns Atem, damit wir leben

Fürbittgebet
Jesus Christus, von der Verbindung zu dir leben wir.
Lass uns fröhlich und getrost leben und Augen und Ohren offen halten,
dass wir Nöte und Leiden der anderen wahrnehmen:
in unsrer Stadt, in unserem Land und auf der ganzen Welt.
Lass uns helfen, wo wir können.
Mach uns dankbar für unser Leben.
Dir sei Ehre und Lob in Ewigkeit.
Amen

Der Segen Gottes und die Liebe Christi sei mit uns!
Gott segne dich und behüte dich – deinen Leib und deine Seele
Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig – in Liebe und Güte kannst du leben
Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden
– Gott lässt dich nicht aus seiner Hand reißen in Zeit und Ewigkeit. Amen

Dorothee Rabenstein-Wagner, Prädikantin

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