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Predigtgedanken – 1. Advent – 29.11.2020

lighted candle beside another 3 candles

Wochenspruch für die neue Woche:

Siehe, dein König kommt zu dir,
ein Gerechter und ein Helfer.“ Sacharja 9,9a


Liebe Gemeinde,

vier Monate sind nun vergangen, seitdem wir das letzte Mal über die Predigtgedanken in Kontakt waren. Den Sommer über fanden viele Gottesdienste im Freien statt und wir konnten sogar miteinander Feste feiern: im Juli den Abschied von Pfarrer Pitschak und im September die Einweihung unseres neuen Gemeindehauses. Das Kaffeetrinken zum Erntedankfest war dann schon in sehr kleinem Rahmen und mit großen Abständen. Nun sind wir im zweiten Lockdown, einem sogenannten „Lockdown light“. Das bedeutet für uns, dass diesmal Gottesdienste, Taufen und auch Trauerfeiern stattfinden dürfen, aber eben nur mit Abständen und mit einer Mund-Nase-Bedeckung. Von einigen Gemeindegliedern weiß ich, dass sie vorsichtig sein wollen und lieber noch nicht in die Kirche kommen. So begleiten wir Sie wieder mit schriftlichen Predigtgedanken, diesmal durch die ganze Advents- und Weihnachtszeit bis einschließlich Heilige Drei Könige.

„Wir müssen halt Geduld haben…“, so sprach mich kürzlich jemand an. Es dauert alles viele länger, als wir im März noch dachten. Im Frühjahr planten wir noch, dass doch Sommerurlaub ins Ausland möglich sein würde und der ganze Spuk um das Corona-Virus doch innerhalb weniger Wochen vorbei sei könnte. Von wegen …. Jetzt in der zweiten Welle und im zweiten Lockdown erlebe ich einige Menschen viel dünnhäutiger. Die Reserven an Geduld und Ausdauer scheinen aufgebraucht. Manche verzweifeln fast. Müssen wir noch einmal dasselbe erleben von vorne mit Kontaktbeschränkungen und den vielen Schließungen? Das ist zäh und anstrengend. Wann ist das endlich vorbei? Wo gibt es Licht am Ende des Tunnels?

Fremdbestimmt zu sein und ein Ende der gegenwärtigen Situation herbeizusehen, das haben Menschen im Laufe der Geschichte schon oft erlebt. Oftmals waren es Gewaltregime, mächtige Herrscher oder auch Kriege, Naturgewalten und Krankheiten, die das Leben der Menschen bestimmt haben. Zur Zeit Jesu war es die Herrschaft des römischen Kaisers, die die Menschen bedrückte. Die Machtstrukturen nahmen ihnen die Luft zum Atmen. Und gehen wir noch weiter zurück, so sind wir in der Zeit des Propheten Sacharja. Der Herrscher Alexander aus Persien dominierte und bestimmte alles. Es war so um die Zeit der Schlacht von Issos im Jahr 333 v.Chr. als Sacharja den Menschen diese frohe Botschaft verkündete:

Du, Tochter Zion, freue dich sehr, und du, Tochter Jerusalem, jauchze! Siehe, dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer, arm und reitet auf einem Esel, auf einem Füllen der Eselin. 10Denn ich will die Wagen vernichten in Ephraim und die Rosse in Jerusalem, und der Kriegsbogen soll zerbrochen werden. Denn er wird Frieden gebieten den Völkern, und seine Herrschaft wird sein von einem Meer bis zum andern und vom Strom bis an die Enden der Erde.

Der Prophet spricht in einer Zeit von großer Kriege und Feldzügen. Alexander der Große war ein prächtiger Herrscher, sein Ruhm reichte weit über seinen Herrschaftsbereich hinaus. Der Prophet Sacharja entwirft in seiner Verheißung nun genau das Gegenbild von ihm. Er fordert zu Jubel und Freude auf über einen Herrscher, der auf einem Esel daher geritten kommt! Ausgerechnet ein Esel, wo doch die Herrscher seiner Zeit auf prächtigen Rossen in die Schlachten zogen! Sacharja setzt seine ganze Hoffnung auf jemanden, der so ganz anders ist. Statt in Schlachten zu ziehen, setzt der neue König auf Frieden. Statt Reiche reicher und Mächtige mächtiger zu machen, hilft er den Verlorenen und schafft Recht den Gebeugten. Der König, der hier verheißen wird, verzichtet auf alle Insignien der Macht. Deshalb reitet er auf einem Esel in die Stadt Jerusalem. Der Esel ist ein Lastenträger und kein Streitross. Dem Esel wurde schon in der Antike nachgesagt, dass er geduldig und ausdauernd ist, aber eben auch viel langsamer als die großen Pferde.

Was der Prophet verkündet, überrascht die Menschen. Einen Herrscher und König hatten sie sich wahrlich anders vorgestellt. Wird es durch ihn zu den Veränderungen kommen, die sie herbeisehnen? Werden sich die Menschen dennoch auf so einen König einlassen? In der Verheißung, die Sacharja den Menschen verkündet, verspricht er ein Ende der Not und ein Licht am Ende eines langen Tunnels. Das macht Hoffnung.

Advent 2020: Wir sind in einer Situation des Ausharrens und Wartens. Welche Lösung der gegenwärtigen Situation und welche Änderung unseres Lebens erhoffen wir? Die Erlebnisse dieses Jahres haben uns wahrlich umgetrieben und aufgewühlt. Lassen Sie uns die Adventszeit als Zeit des Nachdenkens und des Innehaltens neu wahrnehmen und nutzen. Amen


Lied: Evang. Gesangbuch 11,1 und 7 „Wie soll ich dich empfangen“

1. Wie soll ich dich empfangen / und wie begegn ich dir, / o aller Welt Verlangen, / o meiner Seelen Zier? / O Jesu, Jesu, setze / mir selbst die Fackel bei, / damit, was dich ergötze, / mir kund und wissend sei.

7. Ihr dürft euch nicht bemühen / noch sorgen Tag und Nacht, / wie ihr ihn wollet ziehen / mit eures Armes Macht. / Er kommt, er kommt mit Willen, / ist voller Lieb und Lust, / all Angst und Not zu stillen, / die ihm an euch bewusst.

Fürbittengebet:

Komm, Gott, komm in unsere Welt, in unser Leben.
Komm uns entgegen mit deiner Güte und Freundlichkeit, mit deiner Barmherzigkeit und Gnade, mit deinem Trost und deinem Segen. Komm und höre unsere Bitten.
Für die Erschöpften und Müden, dass sie Geduld und neue Kraft bekommen und auch in dieser schwierigen Zeit zurechtkommen.
Für die Ratlosen und Irregeführten, dass sie sich für neue Erfahrungen und neue Wahrheiten öffnen können und Rücksicht auf andere nehmen lernen.
Für die adventlosen Menschen, die nichts mehr erwarten, dass sie wieder einen Sinn finden in ihrem Leben. Dass neue Lebensfreude und Lebendigkeit wachsen dürfen.
Komm, Gott, komm, in unsere Welt, in unser Leben. Lass es Advent werden.
Amen.
Vaterunser


So geht unter dem Segen Gottes in die Adventszeit!
Ihre Pfarrerin Katja Baumann

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