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Predigtgedanken – 2. Advent – 06.12.2020

multicolored jar

Wochenspruch für die neue Woche:

Seht auf und erhebt eure Häupter,
weil sich eure Erlösung naht.”
Lukas 21,28b


Liebe Gemeinde,

der Nikolaustag fällt in diesem Jahr genau auf den 2. Adventssonntag. Das nehme ich zum Anlass, über diesen Nikolaus von Myra nachzudenken. Meinen Grundschulkindern musste ich im Unterricht erst erklären, was der Unterschied zwischen Nikolaus und dem Weihnachtsmann ist. Auf den Kinderzeichnungen konnte man sehen, wie prägend das Bild eines Weihnachtsmannes mit einem roten Mantel ist. Der Weihnachtsmann geht auf eine Coca-Cola-Werbefigur der 40er Jahre zurück. Es gibt natürlich auch wunderbare und phantasievolle Geschichten zum Weihnachtsmann. In meinem Lieblingsbuch „Wo der Weihnachtsmann wohnt“ von Mauri Kunnas führen die Wichtelkinder ein Krippenspiel auf und der Weihnachtsmann und alle Bewohner des Weihnachtsdorfes gehen miteinander in die Christmette an Heiligabend. Dieser Weihnachtsmann möge Vorbild für alle anderen sein!

Der Unterschied zwischen Nikolaus und dem Weihnachtsmann könnte trotzdem größer kaum sein. Schließlich hat der Nikolaus tatsächlich gelebt und gewirkt. Nikolaus war ein Bischof in Myra (in der heutigen Türkei) im 3. Jahrhundert. Aufgrund seiner vielen Wohltaten für Kinder und auch Erwachsene ist er den Menschen in Erinnerung geblieben. Sie haben sich seine Lebensgeschichte weitererzählt und Brauchtum ist entstanden. Im Laufe der Jahrhunderte kamen darüber hinaus auch sogenannte Heiligenlegenden hinzu. Dieser Predigttext aus dem Schlussteil des Jesaja-Buches wurden dem Nikolaustag in diesem Jahr zugeordnet:

Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen; zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden, (…)

Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott.

Nikolaus stammte aus einer reichen Familie aus Patras. Er wurde Priester und war konfrontiert mit der Not der Menschen. Besonders nahe ging ihm die Armut und das Elend von Kindern. So hat er in Myra, seiner Wirkungsstätte, ein Kinderheim gegründet und Waisen versorgt. Dass er ein so ganz besonderer Freund der Kinder war, wurde noch lange nach seinem Tod am 6.12. weitererzählt und die Erinnerung an ihn wachgehalten. Seinen Reichtum hat Nikolaus schon zu Lebzeiten geteilt und freudig weitergegeben.

Wir kennen in unserer Kirche nicht die Form der Heiligenverehrung, wie sie in der katholischen Kirche üblich ist. Dennoch wird die Vorbildfunktion der Heiligen in unserer wichtigsten Bekenntnisschrift, der Confessio Augustana von 1530, ausdrücklich erwähnt: “Vom Heiligendienst wird von den Unseren so gelehrt, dass man der Heiligen gedenken soll, damit wir unseren Glauben stärken, wenn wir sehen, wie ihnen Gnade widerfahren und auch wie ihnen durch den Glauben geholfen worden ist; außerdem soll man sich an ihren guten Werken ein Beispiel nehmen, ein jeder in seinem Beruf.” (Art. 21)

Nikolaus von Myra ist gewissermaßen ein „Musterheiliger“. Er hat den Reichtum, den er besaß, nicht selbst erwirtschaftet, sondern gänzlich von seinen Eltern geerbt. Diese materiellen Güter wollte er nicht für sich behalten, sondern hat sie denen gegeben, die sie nötiger brauchten. Die Bibelstelle aus dem Jesajabuch entfaltet dieses vorbildliche Verhalten: Der Sprecher weiß sich im Bund mit Gott und seinem Heiligen Geist, der ihn ausgesandt hat, um in dieser Welt in Gottes Sinn zu wirken. Es sind Werke der Barmherzigkeit, die nun an den Mitmenschen getan werden. Es würde sich lohnen, jedes einzelne Werk genauer zu betrachten. Jetzt nehme ich nur eines in den Blick: Der Wohltäter soll ein gnädiges Jahr des Herrn ausrufen. Das auch als „Gnadenjahr“ bezeichnete Jahr des Herrn beinhaltete einen Schuldenerlass. Wenn ein solches Jahr ausgerufen wurde, hatten alle die Möglichkeit, schuldenfrei neu zu beginnen. Wäre nicht auch jetzt wieder die Zeit für ein Gnadenjahr? Durch die Corona-Krise sind viele Menschen von Armut und Verschuldung betroffen. Dann hätten alle Menschen nach der Corona-Krise wieder die Chance auf einen wirtschaftlichen Neubeginn.

Der Lohn für die Wohltaten ist groß, für Jesaja genauso wie für Nikolaus: „Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott.“ Wer Gottes Bote im Leben sein darf, seine frohe Botschaft verkünden darf und Gutes tun, ist mit sich und mit Gott im Reinen. Genauso erging es auch der Maria, die sich ohne Klagen und mit größter Freude in ihren Auftrag hingab, die Frucht ihres Leibes auszutragen: „Meine Seele erhebt den Herrn, und mein Geist freut sich Gottes, meines Heilandes.“ (aus dem Magnificat: Lukas 1,46-47). Möge diese Freude der Maria und Glück des wohltätigen Nikolaus auch für Sie in dieser Adventszeit spürbar werden!

Amen


Lied: Evang. Gesangbuch 6,1-3 „Ihr lieben Christen, freut euch nun“

1) Ihr lieben Christen, freut euch nun, / bald wird erscheinen Gottes Sohn, / der unser Bruder worden ist, / das ist der lieb Herr Jesus Christ.

2) Der Jüngste Tag ist nun nicht fern. / Komm, Jesu Christe, lieber Herr! / Kein Tag vergeht, wir warten dein / und wollten gern bald bei dir sein.

3) Du treuer Heiland Jesu Christ, / dieweil die Zeit erfüllet ist, / die uns verkündet Daniel, / so komm, lieber Immanuel.

Fürbittengebet:

Adventskranz

Barmherziger Gott, du berufst Menschen, die in deinem Namen Gutes tun.

Wir danken dir für alle, die die Not der anderen sehen und helfen.
Wir bitten dich für alle, die auf Fürsorge und Hilfe angewiesen sind.

Wir danken dir für unsere Kinder und alles, was ihnen Freude und Mut gibt.
Wir bitten dich für die Kinder, denen die Freude genommen wird
und die unter Trennungen und Not leiden.

Wir danken dir für alle, die andere mit ihren Worten und ihren Taten erfreuen.
Wir bitten dich für alle, die traurig und verzweifelt sind. Wir danken dir für alle, die unser Leben reich machen.
Wir bitten dich: Mach auch uns zu Menschen, die Gutes tun, Liebe verschenken und Freude bringen


Amen.
Vaterunser


So segne und behüte euch der barmherzige Gott!
Ihre Pfarrerin Katja Baumann

Der Beitrag verfällt am 6th December , 2020

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