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Predigtgedanken – 3. Januar 2021

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Wochenspruch für die neue Woche:

Und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit. Johannes 1,14b


Liebe Gemeinde,

wir sind im neuen Jahr angekommen. War es diesmal ganz anders als gewohnt? Keine Silvesterpartys und kein Geböllere? Vermutlich war es ein sehr ruhiges, beschauliches Silvester und vorsichtig-ängstlich wurde das neue Jahr willkommen geheißen. Vielleicht haben Sie es gehört: Um Mitternacht läuten die Kirchenglocken und begrüßen das neue Jahr.

Im Kirchenjahr geht es auf dem Lebensweg des neugeborenen Kindes in der Krippe in großen Schritten voran. An diesem Sonntag wird die einzige Geschichte der Bibel aus der Kindheit bzw. Jugend von Jesus erzählt:

Und seine Eltern gingen alle Jahre nach Jerusalem zum Passafest. 42Und als er zwölf Jahre alt war, gingen sie hinauf nach dem Brauch des Festes. 43Und als die Tage vorüber waren und sie wieder nach Hause gingen, blieb der Knabe Jesus in Jerusalem, und seine Eltern wussten’s nicht. 44Sie meinten aber, er wäre unter den Gefährten, und kamen eine Tagereise weit und suchten ihn unter den Verwandten und Bekannten. 45Und da sie ihn nicht fanden, gingen sie wieder nach Jerusalem und suchten ihn. 46Und es begab sich nach drei Tagen, da fanden sie ihn im Tempel sitzen, mitten unter den Lehrern, wie er ihnen zuhörte und sie fragte. 47Und alle, die ihm zuhörten, verwunderten sich über seinen Verstand und seine Antworten. 48Und als sie ihn sahen, entsetzten sie sich. Und seine Mutter sprach zu ihm: Mein Kind, warum hast du uns das getan? Siehe, dein Vater und ich haben dich mit Schmerzen gesucht. 49Und er sprach zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich sein muss in dem, was meines Vaters ist? 50Und sie verstanden das Wort nicht, das er zu ihnen sagte. 51Und er ging mit ihnen hinab und kam nach Nazareth und war ihnen gehorsam. Und seine Mutter behielt alle diese Worte in ihrem Herzen. 52Und Jesus nahm zu an Weisheit, Alter und Gnade bei Gott und den Menschen.

„Wer nimmt das Kind?“ – das war vielleicht im vergangenen Jahr eine der häufigsten Fragen in den Familien. Wer nimmt das Kind, wenn die Kindergärten und Krippen, die Schulen und Sportplätze geschlossen sind? Wer nimmt das Kind, wenn die Eltern arbeiten müssen und es nicht zu Oma und Opa darf? „Wer nimmt das Kind?“ – wenn die Partnerschaft auseinandergeht, Eltern in Abstand zueinander gehen und doch Vater und Mutter bleiben. Das Bild von der heiligen Familie, wie es in der „stillen Nacht“ gerne besungen worden ist, entspricht nicht der Realität. Wir haben ein Ideal vor Augen, aber wissen doch im gleichen Moment, dass zur Wirklichkeit noch anderes gehört. Auch in Jesu Familie ist es nicht ganz einfach mit dem Heranwachsenden.

Es gibt Ärger. Der 12jährige Jesus ist ohne Bescheid zu geben, im Tempel in Jerusalem geblieben. Seine Eltern haben sich Sorgen gemacht und machen ihm Vorwürfe. Eigentlich doch ganz normal, so wie alle Eltern reagieren würden, damals wie heute? Doch die Situation ist besonders. Die Reaktionen der Erwachsenen im Tempel sind außergewöhnlich. Der 12jährige ist gerade religionsmündig geworden, so ist es üblich im Judentum. Jesus erfährt und erlebt, dass er ernst genommen wird mit seinen Fragen und Gedanken. Sogar seine Antworten werden gewürdigt. Jesus fühlt sich im Tempel wohl und er weiß sich am richtigen Ort. Er ist Gott nahe und er ist im Austausch mit Gottesfürchtigen und Gelehrten. So erlebt Jesus Zugewandtheit und Aufmerksamkeit, dass er erwachsen werden kann und auch zunehmen kann an Weisheit. Eigentlich wünschen wir allen Kindern und Heranwachsenden, dass sie so viel Aufmerksamkeit bekommen und so ernst genommen werden. In der derzeitigen Situation gibt es Gewinner und Verlierer. Viele Kinder und Jugendliche werden benachteiligt und erleben keine unbeschwerte Kindheit mehr. Der soziale Kontakt zu Gleichaltrigen ist erschwert, das Lernen in der Schule durch Auflagen oder fehlende Ausstattung belastet. Abschluss­jahrgänge kämpfen sich irgendwie durch den nötigen Prüfungsstoff. Die nächste und vielleicht sogar die übernächste Generation werden sich mit den finanziellen Kosten der Pandemie auseinandersetzen müssen. Es ist ein guter Vorsatz für das neue Jahr, die Bedürfnisse der jungen Generation und die Zukunft der Kinder stärker in den Blick zu nehmen.

Amen


Lied: Evang. Gesangbuch 391 Jesu geh voran auf der Lebensbahn

1) Jesu, geh voran auf der Lebensbahn! Und wir wollen nicht verweilen, dir getreulich nachzueilen; führ uns an der Hand bis ins Vaterland.

2) Soll’s uns hart ergehn, lass uns feste stehn und auch in den schwersten Tagen niemals über Lasten klagen; denn durch Trübsal hier geht der Weg zu dir.

3) Rühret eigner Schmerz irgend unser Herz, kümmert uns ein fremdes Leiden, o so gib Geduld zu beiden; richte unsern Sinn auf das Ende hin.

4) Ordne unsern Gang, Jesu, lebenslang. Führst du uns durch rauhe Wege, gib uns auch die nöt’ge Pflege; tu uns nach dem Lauf deine Türe auf.

standing man in blue dress shirt praying
Photo by Caleb Oquendo on Pexels.com

Fürbittengebet:

Ewiger, barmherziger Gott, Dein Sohn, hat uns zugesagt, dass er gekommen ist, damit wir das Leben und volle Genüge haben. Im Vertrauen darauf kommen wir zu Dir und bitten Dich:

Fülle unser Leben und das Leben auf unserer Welt mit Deiner Lebenskraft und Deiner liebenden Fürsorge.

Stärke die Kinder und Jugendlichen, die durch die Pandemie besonders belastet sind, und schenke jungen Menschen eine glückliche Kindheit, Mut und Zuversicht.

Lass uns mit den christlichen Gemeinden auf der ganzen Welt zu Kraftquellen werden, die vielen Menschen helfen, ihr Leben zu verstehen und zu bestehen, Zweifel und Ängste zu überwinden, sich anderen Menschen zuzuwenden und für Frieden und Erhaltung des Lebens auf unserer Erde einzutreten.

Wir bitten Dich für alle, die Staaten zu regieren haben, die Leitungsfunktionen innehaben und Verantwortung tragen im politischen Leben, in Wirtschaft und Gesellschaft. Schenke ihnen Klugheit bei der Überwindung der derzeitigen Krise. Wir bitten Dich: Nimm Dich der Menschen an, die besonders belastet sind. Wir denken an Menschen, die sich nach Nähe und Liebe sehnen, an Einsame und Alte, an Kranke, Pflegebedürftige und Sterbende. Schenke ihnen immer wieder neue Kraft und sei ihnen nah


Der Segen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes begleite euch im neuen Jahr!

Ihre Pfarrerin Katja Baumann

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