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Predigtgedanken – Altjahresabend 2020

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Spruch für den Altjahresabend:

Meine Zeit steht in deinen Händen.

Psalm 31,16a


Liebe Gemeinde,

der Weg in die Freiheit führt das Volk Israel durch die Wüste. Im 2. Buch Mose (Exodus) wird vom Exodus, also vom Auszug aus Ägypten, erzählt. Es ist eine eindrückliche Wanderung durch Gefahren und Unwegsamkeiten. Sie führt über zahlreiche Umwege erst nach 40 Jahren zum Ziel. Die Menschen leiden Hunger und Durst und müssen immer wieder ihr Vertrauen und ihre Verlässlichkeit beweisen. Dieser lange Weg durch die Wüste wurde von einem Theologen des 3. Jahrhundert, von Origenes aus Alexandria, als der symbolische Weg der Reifung der menschlichen Seele interpretiert und beschrieben. Vieles, was die Menschen unterwegs erleben, können wir auch heute noch gut nachvollziehen, weil es wirklich urmenschliche Erfahrungen sind, von denen hier die Rede ist. Auf ganz besondere Weise wird das Mitgehen Gottes auf dem (Lebens-) Weg beschrieben:

20 So zogen sie aus von Sukkot und lagerten sich in Etam am Rande der Wüste. 21 Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen, und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, damit sie Tag und Nacht wandern konnten. 22 Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage noch die Feuersäule bei Nacht.

Die ersten beiden Stationen auf diesem Weg durch die Wüste werden mit Namen genannt: Sukkot und Etam. Der erste Ort bedeutet nach Origenes „Zelte“. Wer bereit ist für Veränderungen und bereit ist, sein festes, sicheres Haus zu verlassen, der macht sich auf den Weg. Solange er unterwegs ist, kann er sich kein neues Haus bauen. Er muss flexibel bleiben, ungehindert und frei und er muss jederzeit bereit sein, wieder aufzubrechen und weiterzugehen. Doch solange ein Mensch kein festes Dach über dem Kopf hat, fühlt er sich unsicher und ungeschützt. Er ist viel stärker den Einflüssen der Natur ausgeliefert. Er muss darauf vertrauen, dass das dünne Zeltdach ihn ausreichend schützt. Und er muss bereit sein, sich immer wieder zu verändern und neue Wege auszuprobieren.

Der zweite Ort, Etam, bedeutet „Niederung“. Niederungen stehen bei Origenes für die Herausforderungen im Leben. Schwere Zeiten bleiben im Leben nicht aus, immer wieder sind die Umstände widrig. Dann braucht der Mensch Ausdauer und dann gilt es dranzubleiben und dafür zu kämpfen, dass es weitergeht und dass man sein Glück findet. Dazu muss man in Übung bleiben und sich Mühen aussetzen und nicht aufgeben.

Dass Gott immer dabei ist, daran hatte Origenes und daran hatte auch das Volk Israel bei seiner Wüstenwanderung keine Zweifel. Man musste sich nur immer wieder neu vor Augen führen, dass Gott sich ganz unterschiedlich zeigt. Hier erscheint Gott in einer Wolken- und einer Feuersäule. Origenes sieht in der Wolkensäule ein Symbol für Jesus Christus, der hell und klar im Tageslicht Orientierung gibt. Die Feuersäule steht für ihn für Gott, der als Heiliger Geist in Erscheinung tritt und wirkt. Sogar in der größten Dunkelheit, mitten in der Nacht, schenkt Gott Wärme und Licht. Auch in der größten Finsternis brauchen die Menschen nicht verzweifeln und in die Irre gehen.

Der Jahreswechsel 2020/2021 bringt uns nun an eine Schwelle. Hinter uns liegt das Jahr, das von der Pandemie geprägt gewesen ist. Es war nicht die Sklaverei, wie sie das Volk Israel in Ägypten erlitten hat, und doch haben sich viele im vergangenen Jahr beängstigt und eingesperrt gefühlt. Dorthin zurück will wohl niemand mehr. Und vor uns nun die Wüste? Vor uns liegt sicherlich keine Wüstenwanderung, die 40 Jahre dauern wird. Wir erwarten und erhoffen doch schnellere Veränderun­gen und eine Rückkehr dahin, dass wieder mehr Nähe, mehr Begegnung und persönlicher Austausch möglich ist. Eine anstrengende Wegstrecke liegt sicherlich noch vor uns. So schnell wird es keine flächendeckenden Impfungen geben und keine Rückkehr zur „Normalität“. Wir brauchen Geduld und Ausdauer, vielleicht auch ein leichtes Zelt, das uns wohl schützt und doch immer wieder klarmacht, dass wir noch auf dem Weg sind. Welche Weichenstellungen werden wir für die Zukunft machen? Sollen die Zustände in den Schlachthöfen oder der immense Flugverkehr wieder zu unserer „Normalität“ gehören? Auch wenn uns 40 Jahre unendlich lange erscheinen, vermutlich braucht es diese Zeit bis grundlegende Dinge in einer Gesellschaft verändert werden und Fehlentwicklungen korrigiert werden. Das muss uns nicht Bange machen. Wir halten Ausschau nach dem, der uns Orientierung und Hoffnung gibt. Der wir uns wohl auch im neuen Jahr begleiten!

Amen


Lied: Kommt, atmet auf Nr. 0143 Lobpreiset all zu dieser Zeit

1. Lobpreiset all zu dieser Zeit, / wo Sonn und Jahr sich wendet, / die Sonne der Gerechtigkeit, / die alle Not beendet. Refrain: Dem Herrn, der Tag und Jahr geschenkt,/ der unser Leben trägt und lenkt, / sei Dank und Lob gesungen.

2. Christus hat unser Jahr erneut, / den hellen Tag gegeben, / da er aus seiner Herrlichkeit / eintrat ins Erdenleben. Refrain

3. Er ist der Weg, auf dem wir gehn, / die Wahrheit der wir trauen. / Er will als Bruder bei uns stehn, / bis wir im Glanz ihn schauen. Refrain

person holding two sparklers

Fürbittengebet:

Ich lege an die Kraft des Himmels,
die Säule der Wolke.
Ich lege an die Strahlen der Nacht,
den Glanz des Feuers.
Ich lege an Gottes Macht als meine Stütze.
Gottes Weisheit als meinen Weg.
Gottes Hand als meinen Schutz.
Gottes Weg als meine Zukunft. Ich bitte um deine Kraft, Gott


Seid getrost und unverzagt und geht in das neue Jahr
mit dem Segen Gottes!

Ihre Pfarrerin Katja Baumann

Der Ökumenische Gottesdienst zum Altjahresabend findet in diesem Jahr in der kath. Heiligkreuzkirche in Pfuhl statt (17 Uhr).
Das neue Jahr bringt eine neue Jahreslosung:
Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist! (Lukas 6,36).
Eine Auslegung dazu finden Sie ab morgen auf unserer Homepage.

Der Beitrag verfällt am 31st December , 2020

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