Griesmayerstraße 63, 89233 Neu-Ulm

Predigtgedanken – Heilligabend und Christfest

threereligious figurines

Wochenspruch für die neue Woche:

„Fürchtet euch nicht!
Siehe, ich verkündige euch große Freude,
die allem Volk widerfahren wird;
denn euch ist heute der Heiland geboren,
welcher ist Christus, der Herr, in der Stadt Davids.“

Lukas 2,10b.11


Liebe Gemeinde,

vermutlich ist Ihnen nicht zum Jubeln zumute in dieser Pandemiezeit. Alte Gewissheiten gibt es nicht mehr. Unsere alte Welt, so wie wir sie kannten und gewohnt waren, liegt buchstäblich in Trümmern. Und dann noch ein Weihnachtsfest, zu dem man im allerkleinsten Kreis bleiben muss…

Auch dem jüdischen Volk, an das sich die Worte des Propheten Jesaja richten, war nicht nach Freude und Jubel zumute. Die Deportierten lebten schon seit über 40 Jahren im Exil in Babylonien. Ihr Land, die stolze Stadt Jerusalem, der Tempel und damit alles, was ihnen heilig war, waren zerstört und die Menschen waren der Heimat fern. Die Zerstörung des Tempels wog dabei besonders schwer. Sie bedeutete für die Exilierten nämlich: Gott hat uns verlassen.

In diese schwierige Situation hinein spricht der Prophet Jesaja und verkündet mit großem Enthusiasmus einen neuen Aufbruch. Gott kommt zu uns! Er kehrt heim nach Jerusalem, er hat sein Volk nicht vergessen und er tröstet sein Volk. Der Freudenbote bringt diese Botschaft leichtfüßig und schnell und läutet damit eine Zeitenwende ein. Die Wächter in Jerusalem sind bereits voller Aufregung und Erwartung. Von Haus zu Haus, von Tür zu Tür verbreitet es sich: Gutes, Heil und Frieden sind zum Greifen nah, denn Gott kommt!

7Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der da Frieden verkündigt, Gutes predigt, Heil verkündigt, der da sagt zu Zion: Dein Gott ist König! 8Deine Wächter rufen mit lauter Stimme und jubeln miteinander; denn sie werden’s mit ihren Augen sehen, wenn der Herr nach Zion zurückkehrt. 9Seid fröhlich und jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems; denn der Herr hat sein Volk getröstet und Jerusalem erlöst. 10Der Herr hat offenbart seinen heiligen Arm vor den Augen aller Völker, dass aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes.

Solche Freudenboten kennen wir auch aus der Weihnachtsgeschichte. Als das Jesuskind in Bethlehem geboren wird, da hält es die Engel nicht mehr im Himmel. Sie kommen auf die Erde herab und verkünden den Hirten auf dem Feld „große Freude, die allem Volk widerfahren wird, denn euch ist heute der Heiland geboren.“ Die Engel loben Gott und kündigen Heil und Frieden auf Erden an, ganz wie damals der Prophet Jesaja. Auch die Hirten, die die Botschaft der Engel hören, und sich sofort aufmachen, um das Kind zu besuchen, werden zu Freudenboten. Sie lassen sich anstecken und anrühren – vom Kind in der Krippe, vom Licht im Dunkel, von einer Zukunft, an die sie nicht mehr geglaubt hatten. Wo Gott kommt, hört die Resignation auf, da erschließen sich neue Perspektiven, da wird ein Neuanfang möglich, da gibt es Grund zum Jubel!

Dann heißt es: „jubelt miteinander, ihr Trümmer Jerusalems“. Das ist ein ungewöhnliches Bild. Selbst die Trümmer sollen in den Jubelchor einstimmen! Der Jubel geht nicht über den Schmerz der Trümmer hinweg, sondern nimmt sie mit hinein in seine Bewegung. Das heißt aber auch: Die Trümmer werden nicht missachtet oder ignoriert, sondern wahr- und ernstgenommen. Der Jubel deckt den Schmerz nicht zu, sondern lässt ihn zu. Gott geht auch nicht über die Trümmerfelder in unserem Leben hinweg. Gott lässt aus den Trümmern vielmehr Neues entstehen. Deshalb gilt es, die Schmerzen, die Enttäuschungen, das Abgebrochene in unserem Leben wahrzunehmen und es zu bejahen. Es gehört zu uns und ist ein Teil von uns. Wir halten es Gott hin, er kann es wandeln. In der Liebe zu den Trümmern zeigt sich Gottes große Treue zu uns, Gott will uns mitten in den Trümmern trösten und aufrichten, damit auch wir andere trösten und aufrichten können. Der Heiland, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern, heilt, was in uns zerbrochen ist. Auch aus den Umbrüchen und Fragen an unseren Lebensstil und unser Wirtschaften, die die Pandemie losgebrochen hat, kann Neues und Gutes entstehen.

Und schließlich: Gott kommt nach Hause. Im Bibeltext heißt es, er kommt nach Zion. Das ist der zerstörte Tempelberg. Dort stand sein Heiligtum. Die Deportierten kehren tatsächlich zurück. Stadt und Tempel werden tatsächlich aus den Trümmern wiederaufgebaut. Zur Realität gehört eben nicht nur das Misslingende, sondern auch das Gute, das Rettende, der Frieden, die Heimkehr, der Neubeginn. Mit Weihnachten schließen wir uns dem an. Weihnachten erzählt eine sehr anrührende Geschichte – Heil und Frieden auf Erden für die ganze Welt verbinden sich mit einem kleinen verletzlichen Kind in der Krippe. Und selbst wenn seitdem viele Ereignisse der Weihnachtsverheißung widersprochen haben – wir erfahren zugleich immer wieder auch deren Erfüllung: Den Trost, den Frieden, das Heilende, das Gottes Kommen in die Welt begleitet. Das Gute und Heilende bleibt gefährdet und fragil, aber es ist doch erkennbar da. Gott kommt mit Jubel. Wo Gott kommt, hört die Resignation auf und werden wir angesteckt uns mitzufreuen. Gott kommt in unsere Trümmer, er weiß um unsere Verletzungen und Abbrüche – sie dürfen sein. Und Gott kommt nach Hause. Er öffnet uns die Augen für das Gute und für das Kind in der Krippe

Amen


Lied: Evang. Gesangbuch 32,1-4: Zu Bethlehem geboren

1) Zu Bethlehem geboren / ist uns ein Kindelein. / Das hab ich auserkoren, / sein eigen will ich sein. / Eia, eia, / sein eigen will ich sein.

2) In seine Lieb versenken / will ich mich ganz hinab; / mein Herz will ich ihm schenken / und alles, was ich hab, / eia, eia, / und alles, was ich hab.

3) O Kindelein, von Herzen / will ich dich lieben sehr, / in Freuden und in Schmerzen / je länger und je mehr, / eia, eia, / je länger und je mehr.

4) Dazu dein Gnad mir gebe, / bitt ich aus Herzensgrund, dass dir allein ich lebe, / jetzt und zu aller Stund, / eia, eia, / jetzt und zu aller Stund.

Willow Tree woman carrying baby figurine

Fürbittengebet:

Heiliger Gott, in dieser Nacht fällt ein Licht auf die Welt; dein Licht, das Licht der Heiligen Nacht.

Im Kind in der Krippe zeigst du der Welt dein Gesicht: ein Gesicht voller Liebe.

Wir bitten dich: Nimm weg alle Furcht und erfülle uns mit Freude. Lass uns einstimmen in den Jubel. Erbarme dich über alle Völker und lass alle Welt das Geheimnis des Lichts erkennen:
Christus ist geboren!
Amen.
Vaterunser


Der Engel spricht: „Fürchte dich nicht!“
So geht nun in diese Heilige Nacht, Gottes Engel führe und geleite euch.
Es segne und behüte euch der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist. Geht hin und bringt der Welt den Frieden!

Ihre Pfarrerin Katja Baumann

An Heiligabend 24.12.2020 um 22 Uhr werden die Kirchenglocken in ökumenischer Eintracht läuten. Halten Sie inne und bleiben Sie einander im Gedanken und Gebet verbunden. Frohe Weihnachten!

Der Beitrag verfällt am 24th December , 2020

0
Datenschutzerklärung
Diese Website verwendet Cookies – nähere Informationen dazu und zu Ihren Rechten als Benutzer finden Sie in unserer Datenschutzerklärung am Ende der Seite. Klicken Sie auf „Ich stimme zu“, um Cookies zu akzeptieren und unsere Website besuchen zu können.
X