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Predigtgedanken – Judika – 29.03.2020

Geißelung-Christi
Folterung Jesu durch römische Soldaten,
Wandbild im Chorraum der St. Ulrichskirche

Wochenspruch für die neue Woche:
„Der Menschensohn ist nicht gekommen,
dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene
und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.“

(Matthäus 20,28)

Liebe Gemeinde,

Sie erinnern sich? Es ist nun schon über 15 Jahre her, als wir alle miteinander und die ganze Welt das Wort „Tsunami“ lernten. Es war Weihnachten 2004, als die Naturkatastrophe im Indischen Ozean seinen Anfang nahm. In diesen Tagen haben wir alle das Wort „Pandemie“ gelernt. Die Passionszeit 2020 wird diese Prägung behalten.

Die Menschheit hatte es eigentlich schon fast vergessen. Seuchen gehörten der Vergangenheit an. Die Spanische Grippe lag über hundert Jahre zurück. Da gab es keine Zeitzeugen mehr, die berichten könnten. Und außerdem wähnte man sich in Sicherheit. Epidemien waren doch Merkmale von Krisenzeiten. Sie trafen Gesellschaften, die von Armut und Krieg geschwächt waren. Kranke wurden isoliert, Lepröse in Seuchenhäuser gebracht, also vor die Tore der Stadt verbannt. Doch jetzt trifft die Pandemie uns hier, in einem der reichsten Länder der Welt. Gerade unser Wohlstand trägt zur Verbreitung des Virus bei: der viele Flugverkehr und die große Mobilität der Menschen in Beruf und Freizeit.

In der Passionszeit werden wir daran erinnert, dass auch Jesus zu denen gehörte, die ausgesondert und vor die Tore der Stadt gebracht wurden. Man wollte keine Geißelung, kein Blut und kein Leiden innerhalb der Stadtmauern von Jerusalem. Golgatha, die Hinrichtungsstätte, liegt außerhalb der Stadt. Der heutige Predigttext erzählt davon:

12 Jesus hat damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor.
13 So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.
14 Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.


Hebräerbrief 13,12-14

Jesus hat dort gelitten, wo man Verbrecher verscharrt. Wo man seinen Müll ablädt, wo die Aus­sätzigen und Kranken sind. Wo heutzutage die Flüchtlingsheime stehen und die Obdachlosen hausen. Dort findet Leiden statt. Damals wie heute.
Schon jetzt sind es die Randgruppen, die unter der Corona-Krise am schwersten tragen. Im Fern­sehen wurde von einem obdachlosen Mann in Köln berichtet. Es gibt keine warmen Mahlzeiten mehr für Obdachlose und keine geöffneten Wärmestuben.

Jetzt wird sich zeigen, wie solidarisch wir sein wollen. Mit milliardenschweren Hilfspaketen sollen negative Folgen abgefedert werden. Wird der Wohlstand dann neu verteilt oder profitieren einige wenige? Man braucht kein Prophet zu sein um zu erkennen, dass nach der Corona-Krise die Wirtschaftskrise kommen wird. Die Existenzgrundlage der kleinen Selbständigen ist gefährdet. Einigen drohen Kurzarbeit und Wohnungsverlust. Als Christen sind wir im Gebet, aber auch in unseren diakonischen Aufgaben herausgefordert. Wir müssen die Augen und die Hände offenhalten für Menschen, die an den Rand gedrängt werden.

So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. (Vers 13) Die Aufforderung, hinauszugehen vor das Lager, kann tatsächlich ganz konkret werden. Und der Wunsch zu helfen und zu teilen ist ja da, in unserer Kirchengemeinde und auch in unserer Gesellschaft. Taten mögen diesem Wunsch folgen. Wenn wir hinausgehen vor die Tore der Stadt, werden wir unseren Nächsten finden, der Not leidet. Und dort werden wir schließlich auch ihn finden, Jesus, unseren Herrn: am Rande der Gesellschaft, bei den Verlierern, bei den Menschen, die leiden. Materielle Güter sollen uns dann nicht binden innerhalb der Stadtmauern. Gemeinsam machen wir uns auf die Suche nach der zukünftigen Stadt.
Amen.


Predigtlied:
Evangelisches Gesangbuch Nr. 97 „Holz auf Jesu Schulter“
Den Text online finden Sich hier.

Denn die Erde jagt uns / auf den Abgrund zu. / Doch der Himmel fragt uns: / Warum zweifelst du? / Hart auf deiner Schulter / lag das Kreuz, o Herr, / ward zum Baum des Lebens, / ist von Früchten schwer. / Kyrie eleison


Fürbittengebet:
Barmherziger Gott, schwer ist unser Herz in diesen Tagen und in Sorge. Wir haben Angst um die Schwachen in unserer Gesellschaft. Wir sorgen uns um unsere Familien und um unsere Liebsten. Lass uns Ruhe und Kraft finden in dir. Amen

Vaterunser


Fürbittkerzenständer in St. Jakob

Der Segen Gottes, die Liebe Jesu Christi und der Trost des Heiligen Geistes komme über uns und bleibe bei uns jetzt und allezeit!

Ihr Pfarrerin Katja Baumann


Die Predigtgedanken werden an den Samstagen an interessierte Gemeindeglieder in die Briefkästen verteilt, solange wir uns zum Gottesdienst nicht in den Kirchen versammeln dürfen.

Die Kirchenglocken läuten zu Beginn des Fernsehgottesdienstes um 9:30 Uhr und laden Sie ein, gemeinsam Gottesdienst zu feiern. Außerdem gibt es die Möglichkeit, einen Online-Gottesdienst in der Region mitzufeiern. Die Kirchengemeinde Senden lädt jeden Sonntag und am Karfreitag um 10 Uhr auf ihrer Homepage ein: https://auferstehungskirche-senden.de.

Viele jüngere Freiwillige haben sich gemeldet, für Senioren einzukaufen, damit sie nicht mehr das Haus verlassen müssen. Bitte melden Sie gerne Ihren Bedarf in Pfuhl im Pfarramt, Tel.: 719292 oder in Burlafingen, Tel.: 710682!

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