Griesmayerstraße 63, 89233 Neu-Ulm

Predigtgedanken zu Markus 14, 1-9

Kruzifix St Ulrich

Palmsonntag und Karwoche

Kruzifix St. Ulrichskirche

Wochenspruch für die neue Woche:
„Der Menschensohn muss erhöht werden,damit alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“   

(Matthäus 20,28)

Liebe Gemeinde!

Heilige Woche – große Geschichte von Liebe und Tod

Nun ist sie da, die Karwoche oder Heilige Woche. Mit dem Palmsonntag fängt sie an. Heute zieht Jesus in Jerusalem ein.
„Hosianna dem Sohne Davids!“ Königsweg. Triumphzug. „Gelobt sei, der da kommt im Namen des Herrn, der König von Israel!“ Palmzweige rauschen durch die Luft. Kleider liegen auf dem Weg, wie ein roter Teppich. So kommt Jesus in die Heilige Stadt. Freudig begrüßt, umjubelt. Bald wird die Stimme des Volkes umschlagen ins: „Kreuzige, kreuzige ihn“. Immer wieder erschrecke ich, wie schnell die Stimmung einer Menschenmenge kippt.

Heute fängt sie an, die riesengroße Geschichte der Karwoche von Liebe und Tod.
Der Predigttext richtet in diesem Jahr unseren Blick nach vorne, auf den Mittwoch: „Es waren noch zwei Tage bis zum Passafest und den Tagen der ungesäuerten Brote. Und die Hohenpriester und Schriftgelehrten suchten, wie sie Jesus mit List ergreifen und töten könnten. Denn sie sprachen: Ja nicht bei dem Fest, damit es nicht einen Aufruhr im Volk gebe.“

Schon am Mittwoch steht fest: Jesus muss sterben. Ein Gremium sitzt beisammen. Graue Herren in Prunkgewändern. Die Macht hat sich versammelt. Die Macht will den Tod. Jesu Tod. Und da trifft es sich gut, dass es abends leise an der Tür klopft. Judas schleicht herein. Heimlich. „Ich will ihn euch verraten.“

Am Mittwoch kommt die Liebe

Am Mittwoch war aber auch noch etwas anderes. Am Mittwoch kommt die Liebe. „Und als Jesus in Betanien war im Hause Simons des Aussätzigen und saß zu Tisch, da kam eine Frau, die hatte ein Alabastergefäß mit unverfälschtem, kostbarem Nardenöl, und sie zerbrach das Gefäß und goss das auf sein Haupt.“

Die Liebe kommt leise zur Tür herein. Ohne ein Wort. Eine Frau in schlichtem Gewand. Sie hat noch nicht einmal einen Namen. Sie hat nichts weiter. Nur sich selbst. Und dieses kleine Gefäß. Das ist der Liebe genug.

Aus Alabaster ist das Fläschchen. Das hat sie vorher gekauft. Für ungefähr zwanzigtausend Euro nach heutigem Geld. Völlig verrückt eigentlich. Und genau richtig. Sie geht zu Jesus. Sie bricht das Fläschchen entzwei. Das Öl fließt Jesus in die Haare. Unbeschreiblicher Duft. Sie massiert es ein. Jetzt nimmt die Liebe ihren Lauf. – Zugleich gewährt die Frau Jesus (als Messias = Gesalbten) den Ritus einer vorweggenommenen Totenbestattung, die bei einem Hingerichteten unterbleiben würde. Die Frau lässt sich ihre liebevolle Hingabe etwas kosten. Sie weiß: Billige Liebe ist wertlos, wie billige Gnade. Sie ahnt wohl schon: Ich werde dem Opfer Jesu kaum entsprechen können mit dem Ausmaß meiner Liebe.

In der Krise zeigt sich der wahre Charakter der Menschen

„Da wurden einige unwillig und sprachen untereinander: Was soll diese Vergeudung des Salböls? Man hätte dieses Öl für mehr als dreihundert Silbergroschen verkaufen können und das Geld den Armen geben. Und sie fuhren sie an.“ Bis eben hatten sie nur zugeschaut. Die Männerrunde: Petrus, Jakobus, Johannes, Bartholomäus und wie sie alle hießen – und, ja auch Judas. Sie sehen, was da geschieht. Fassungslos. Es fehlen ihnen die Worte. Es war still. Mucksmäuschenstill. Totenstill. Krisenstill.

Dann toben sie los. „So etwas Unvernünftiges! Völlig verrückt! Vergeudung! Alles verschwendet!“ Sie toben los, wie die Wütenden zu allen Zeiten los toben. Auch heute und jetzt. „Was man mit diesem Geld alles tun könnte für die eigenen Leute!“

Ich bin beeindruckt, wenn ich sehe, wie Pflegekräfte, Ärzte, Pharmazeuten, Labore … an und über ihre Grenzen gehen, um kranken Menschen zu helfen, – wie phantasievoll, maß- und grenzenlos Erfindergeist, Barmherzigkeit und Liebe sind, die an vielen Orten aufblühen, bei Menschen, die für andere einkaufen, Eltern die neben Homeoffice auch noch ihre Kinder beschulen und versorgen. – Umso mehr ekelt es mich an, wenn jetzt Geschäftemacher Wucher treiben mit Schutzmasken, oder wenn erfolgreiche Großunternehmen nicht genug Profit bekommen, indem sie auf Mietzahlungen verzichten wollen.

Lasst die Liebe Liebe sein

„Jesus aber sprach: Lasst sie! Was bekümmert ihr sie? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. Denn ihr habt allezeit Arme bei euch, und wenn ihr wollt, könnt ihr ihnen Gutes tun; mich aber habt ihr nicht allezeit. Sie hat getan, was sie konnte; sie hat meinen Leib im Voraus gesalbt zu meinem Begräbnis.“ Jetzt spricht Jesus ein Machtwort: „Lasst sie!“ Hört auf mit Euren Machtspielereien. Lasst der Liebe ihren Lauf! – Die anderen schweigen, schauen zu Boden. Ein bisschen beschämt.

Die Macht der Liebe

Grabmalbild St. Ulrichskirche

Mit dieser Frau und ihrem Fläschchen voll Öl kommt die Liebe. Nun hat die Macht eine ebenso mächtige Gegenspielerin. Die wird tun, was sie kann. Sie hört nicht auf damit, und sie tut es heute noch: Die Macht der Liebe. Sie ist anders. Sie ist nicht grob und laut, sie pöbelt nicht auf der Straße, sie hetzt die Menschen nicht gegeneinander auf, spaltet nicht, „ist nicht mutwillig, sucht nicht das Ihre, bläht sich nicht auf.“

Die „Macht der Liebe“ tut, was sie kann. Sie tut es an den geringsten Geschwistern. Stellt sich gegen böse Mächte, wo es nötig ist. Macht aus der Machtwelt eine Liebeswelt. Soviel sie kann.

Palmsonntag. Der Königsweg, der Liebesweg hat angefangen. Ihn lasst uns miteinander weiter gehen, denn:
„Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eigeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“

Heilige Woche als stille Woche

Am Donnerstag wird Jesus dann Abendmahl feiern mit den Seinen: „Nehmt und esst. Trinkt alle daraus. Tut das zu meinem Gedächtnis.“ – Donnerstagnacht: Ein Gebet. „Doch nicht, was ich will, sondern was du willst.“ Judas wird kommen und ihn verraten. Soldaten verhaften Jesus. Nächtlicher Prozess vor dem Hohenpriester. „Ihr habt die Gotteslästerung gehört! – Er ist des Todes schuldig.“

Am nächsten Morgen steht Jesus vor Pilatus. „Kreuzige ihn!“ Geißelhiebe, Spottgesänge. Das Kreuz liegt schwer auf seinen Schultern. Dann Hammerschläge. „Mich dürstet!“. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“

Am Freitag 15:00 Uhr ist Jesus dann tot. „Und neigte das Haupt und verschied.“


Predigtlied: Evangelisches Gesangbuch Nr. 91

1. Herr, stärke mich, dein Leiden zu bedenken, mich in das Meer der Liebe zu versenken,
die dich bewog, von aller Schuld des Bösen uns zu erlösen.

5. Seh ich dein Kreuz den Klugen dieser Erden ein Ärgernis und eine Torheit werden:
so sei’s doch mir, trotz allen frechen Spottes, die Weisheit Gottes.

7. Da du dich selbst für mich dahingegeben, wie könnt ich noch nach meinem Willen leben?
Und nicht vielmehr, weil ich dir angehöre, zu deiner Ehre.


Fürbittgebet

Ungewissheit und Angst erfüllen in diesen Tagen unsere Gedanken. Wir sind in Sorge.
Wir sorgen uns um unsere Lieben. Wir vertrauen sie deiner Fürsorge an. Behüte und bewahre sie.
Wir sorgen uns um das Zusammenleben in unserem Land. Wir schauen auf das, was kommen wird.
Wir sind hilflos. Der Corona-Virus bedroht die Schwachen. Wir vertrauen die Kranken deiner Fürsorge an.
Behüte und bewahre sie.
Wir bitten für die Sterbenden – behüte sie und erbarme dich.
Wir bitten für die Jungen – behüte sie und erbarme dich.
Wir danken dir für alle, die in Krankenhäusern und Laboren arbeiten.
Wir danken dir für alle, die Kranke pflegen, Eingeschlossene versorgen
und sich um das Wohl aller mühen. Behüte und leite sie.
Du bist unsere Hilfe und Stärke. Behüte uns, bewahre uns und erbarme dich.  Amen.


Gott behüte Sie und schenke Ihnen allen eine gesegnete Zeit

Ihr Pfarrer Robert Pitschak

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