Griesmayerstraße 63, 89233 Neu-Ulm

Quasimodogeniti, 19. April 2020

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Predigtgedanken zu Jesaja 40, 26-31

“Supermond” über Ulm, Foto: Jürgen Bügelsteiber, swp

Wochenspruch:
„Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus,
der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat
zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. (1. Petrus 1, 3)


Liebe Gemeinde!

„Weißt du, wie viel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt?“

Eine Mutter singt mit diesem Lied ihr Kind in den Schlaf.

„Weißt du, wie viel Wolken gehen weithin über alle Welt? 
Gott der Herr hat sie gezählet, dass ihm auch nicht eines fehlet
an der ganzen großen Zahl, an der ganzen großen Zahl.“

Dieses bekannte Lied spannt den Sternenhimmel über uns auf. Und es lenkt unseren Blick auf Gott.
Er herrscht über den ganzen Kosmos. Und ist doch der, von dem die Mutter gleich singen wird: 
„Kennt auch dich und hat dich lieb.“

Das Bild des Himmels, der von Gott erzählt, es strahlt Geborgenheit und Frieden aus.
Von diesem Gedanken ist auch der Prophet Jesaja beseelt. Er nimmt uns mit zu den Israeliten im fernen Babylonien. Im 6. Jahrhundert vor Christus mussten sie ihr Land verlassen, wurden ins Exil verschleppt. Seit 50 Jahren leben sie dort. Und sie fragen: Wo ist eigentlich unser Gott? Hat er uns vergessen? Sind wir ihm ganz egal?

Da stimmt der Prophet sein Lied an, das ganz ähnlich klingt wie das Lied der Mutter am Bett ihres Kindes:

Hebet eure Augen in die Höhe und seht! Wer hat dies geschaffen? 
Er führt ihr Heer vollzählig heraus und ruft sie alle mit Namen;
seine Macht und starke Kraft ist so groß, dass nicht eins von ihnen fehlt.
Warum sprichst du denn, Jakob, und du, Israel, sagst: 
«Mein Weg ist dem Herrn verborgen, und mein Recht geht vor meinem Gott vorüber»?
Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? 
Der Herr, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat,
wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich. 
Er gibt dem Müden Kraft, und Stärke genug dem Unvermögenden.
Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen;
aber die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler,
dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Das Lied von den Sternlein am blauen Himmelszelt und die Worte des Propheten für seine zweifelnden und müde gewordenen Glaubensgeschwister haben mit dem heutigen Sonntag zu tun.

“Quasimodogeniti” ist sein Name im Kalender des Kirchenjahres. Auf Deutsch: “Wie die Neugeborenen”. 
In der frühen Kirche war dieser erste Sonntag nach Ostern, der auch der “Weiße Sonntag” genannt wird, der Taufsonntag. In ihren weißen Kleidern bekundeten die Erwachsenen und die Kinder, die sich taufen lassen wollten, dass sie mit dem auferstandenen Christus durch das Wasser, also gleichsam durch den Tod hindurch zu neuem Leben auferstehen. Denn “wie neugeboren” soll ein Leben mit dem lebendigen Christus sich anfühlen.

Der Blick in den Sternenhimmel, der von Gottes Gegenwart erfüllt ist, möchte daran erinnern.
“Seht nach oben! Den Himmel und die Sterne – wer hat sie geschaffen?” 
Diese Frage braucht für die Israeliten eigentlich keine Antwort. Gott ist der Schöpfer der Welt.
Mehr noch: Er kennt seine Schöpfung bis in jedes Detail.

Diese Botschaft des Propheten enthielt auch einigen Zündstoff. Denn in Babylon glaubten die Menschen, dass die Sterne selbst Götter seien. Sie waren überzeugt, dass die Gestirne die Welt widerspiegeln, und dass man aus ihrem Lauf das Schicksal der eigenen und das der großen Zukunft ablesen könne. – “Nein”, so setzt Jesaja dem entgegen, “habt ihr’s vergessen? Unser Gott hat die Sterne geschaffen und den ganzen Kosmos. Von ihm sind Raum und Zeit durchdrungen. Gottes Sein erfüllt die Welt. Und – er vergisst euch nicht, sein müdes, zweifelndes, skeptisches Volk.”

Die Klage der Menschen damals können wir nachempfinden, besonders, wenn es uns selbst nicht gut geht.
„Mein Weg ist dem Herrn verborgen, mein Recht geht vor meinem Gott vorüber.“ 
Gott hat mich irgendwie vergessen.

Taufbecken St. Ulrichskirche

Heute feiern wir den ersten Sonntag nach Ostern. Wie neugeboren, so sollen wir uns als Christen fühlen. 
Aber das geht oft nicht so einfach. Vor Ostern steht der Karfreitag. Wir haben den Kreuzesschrei noch im Ohr: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?” Jesajas Rede erweist sich als wahr: „Gottes Tun ist unausforschlich.“
Gott hat Jesus von Nazareth am Kreuz nicht verlassen und nicht vergessen. 

Er ist für uns – wie wir es bekennen – “hinabgestiegen in das Reich des Todes”.
Er ist ganz unten bei uns – in unserem Kreuz, in Leid, Krankheit, Krise und Sorge.

Solche Hoffnung will Jesaja den Israeliten in Babylon stiften.
„Die auf den Herrn harren, kriegen neue Kraft.“

Harren, gespannt bleiben auf das, was von Gott kommt. Solches Gespannt-Sein weckt Spannkraft.
Da bekommt die Zuversicht Flügel und Beine. Laufen und nicht matt werden, 
so beschreibt der Prophet das Leben aus dem Gespannt-Sein auf Gott.

Der Gott, der das All erfüllt, ist unter uns lebendig.  Er weiß, wie viel Sternlein stehen an dem blauen Himmelszelt. 
Er weiß auch, wer wir sind: Seine Kinder, die er liebt. Kennt auch dich und hat dich lieb.


Predigtlied: Evangelisches Gesangbuch  Nr. 108  Mit Freuden zart


Fürbittgebet
Herr, wir glauben, hilf unserem Unglauben. Öffne unsere Augen, dass wir sehen;
wecke unseren Geist, dass wir erfahren, was du schaffst unter denen, die auf dich hoffen.
Gott, hilf uns, dass wir nicht unguten Mächten verfallen;
dass unsere Worte den Tag nicht verdunkeln, nichts Böses anrichten,
niemandem wehtun und keinem die Hoffnung nehmen;
dass sie vielmehr Freude machen und aufatmen lassen, soweit sie es vermögen.
Hindere uns, Türen zu verriegeln. Lehre uns warten — zuhören — schweigen,
das rechte Wort sagen zur rechten Zeit, damit Angst, Misstrauen und Abscheu
unter uns überwunden werden, und dein Reich komme.
Lebendiger Gott, umfange uns alle — Glückliche und Bedrückte,
Lebende und Sterbende — mit deinem Leben.


Gott behüte Sie und schenke Ihnen allen eine gesegnete Zeit
Ihr Pfarrer Robert Pitschak

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